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Interview mit KFC Uerdingen eSports Koordinator Halil Özbulat

Wir befragten KFC Uerdingen eSports Koordinator Halil Özbulat über eSport in Deutschland und die Entwicklung beim KFC Uerdingen.

Halil Özbulat, zunächst einmal die Frage, die ganz Deutschland beschäftigt. Ist eSport eine Sportart?

„(Lacht) Das ist wirklich eine gute Frage, die sich schwer beantworten lässt. Schaut man sich die Definition für „Sport“ an, erkennt man stets die Verbindung zur körperlichen Aktivität. Da diese beim eSport kaum bis gar nicht vorhanden ist, müsste man die Frage mit „nein“ beantworten. Allerdings handelt es sich hier um eine neue Form des Wettkampfs, welcher auf modernen Geräten digital ausgetragen wird. Dabei spielen weniger körperliche Attribute eine Rolle, sondern die Kombination aus Taktik/System, Reaktion, Geschick, Konzentrationsfähigkeit und Denkgeschwindigkeit. Es sind also Faktoren, die mehr das Hirn als den Körper belasten. eCompetitions wäre vielleicht der richtige Begriff.“

Die eSport Profis des KFC Uerdingen. Artan Halimi (links) und Tim Heckenkamp (rechts). Nicht mehr mit dabei Vincent Mäder (unten)

Wie siehst du das Potenzial und die Entwicklung des eSport in Deutschland?

„Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt ist eSport mittlerweile ein gängiger und bekannter Begriff. Ich sehe ausverkaufte Eventhallen, kreischende Fans, Preisgelder in sechs- bis siebenstelligen Bereichen und eSport Profis, die wie Popstars gefeiert oder von Vereinen transferiert werden. Dazu tägliche Online Events, Marketingveranstaltungen und vieles mehr. Die Entwicklung vom Hobby „Spielen“ zur Leidenschaft „eSport“ hat sich rasant entwickelt und meiner Meinung nach sind wir noch lange nicht am Ende. Die künftige Einführung einer offiziellen eSport Liga im Bereich eSoccer durch die DFL (Deutschen Fußball Liga) und die steigenden Angebote dieser Events generell, bestätigen meine Denkweise. Hinzu kommt, dass große Turniere & Gaming Events mittlerweile weltweit im TV ausgestrahlt und beworben werden. Vor wenigen Jahren hätte man über all das noch geschmunzelt. Ich persönlich freue mich sehr über die Entwicklung und auf das, was in Zukunft noch auf uns zukommt.“

Du selbst bist beim KFC Uerdingen eSports Koordinator und Streamer. Wie genau sehen hier deine Aufgabengebiete aus?

„Genau. Den Begriff „Koordinator“ konnte ich frei wählen und ich fand ihn einfach passender als eSports Manager. Ich fungiere nicht nur als Ansprechperson und „Coach“ für unsere eSport Profis, sondern bin auch gleichzeitig für die Organisation und die Entwicklung des Bereiches zuständig. Ich arbeite hier eng mit unserem Marketingbeauftragten Jan Filipzik zusammen und bilde das Bindeglied zwischen Verein und Spielern. Natürlich bin ich neben Jan auch eine weitere Kontaktperson des eSport Bereiches für die Öffentlichkeit.“

Und streamen? Was kann man sich darunter vorstellen?

„Spiele streamen ist ein Hobby, welches ich schon vor meiner Zeit beim KFC ausgeübt habe. Insbesondere mit FIFA bin ich mehrmals im Monat OnAir und streame meine Spiele. Highlights meiner Streams sind Online Turniere, die ich selbst organisiere und Live im Stream austrage. Das soll auch in Zukunft so sein und die Zuschauer können weiterhin unter www.twitch.tv/hashtaghalil die Streams verfolgen. Allerdings nun im Design und im Namen des KFC Uerdingen 05 eSports.“

Magst du uns eure Spieler und eure Ziele für die neue Saison vorstellen?

„Gerne. Unser eSport Team besteht aktuell aus zwei professionellen Spielern und mir. Über uns ist wie bereits erwähnt Jan Filipzik positioniert. Mit Tim „tiraygo“ Heckenkamp und Artan Halimi haben wir nicht nur zwei sehr gute FIFA Spieler in unseren Reihen, sondern auch wirklich vernünftige und charakterstarke Jungs. Zu den Zielen lässt sich in der aktuellen Phase der FIFA Saison nicht viel sagen. Schließlich ist das neue Spiel erst wenige Tage auf dem Markt und unsere Jungs befinden sich aktuell wie jeder andere eSport Profi in der Findungsphase. Natürlich träumen wir als Team von Qualifikationen zur FIFA19 Europa- oder Weltmeisterschaft. Das Können und den nötigen Ehrgeiz bringen unsere Spieler auch mit, dennoch muss man hier erst einmal abwarten und beobachten, wie sich die Sache entwickelt. Außerdem verfolgen wir beim KFC nicht nur das Ziel, den Erfolg unserer eSport Abteilung mit dem Erfolg unserer Profis zu messen.“

Was genau können wir darunter verstehen? Ist dem KFC der Erfolg im eSport nicht wichtig?

„Doch! Erfolg ist uns sehr wichtig. Jedoch setzt sich eine erfolgreiche eSport Abteilung nicht nur aus Trophäen oder Turniersiegen unserer Jungs zusammen.“

Sondern aus…?

„…aus einem guten Konzept, welches langfristig den eSport in Krefeld und Deutschland fördert und voranbringt. Hierbei gilt es nicht nur Profis und gute Spieler zu erreichen, sondern auch Gelegenheitsspieler und jeden der Spaß und Freude am Spielen hat. Auch Kinder dürfen hier nicht vergessen werden.“

Tim Heckenkamp (links), BlauRot Moderator Martin Mahlke (mitte) und eSport Koordinator Halil Özbulat (rechts) beim KFC Uerdingen eSports Cup im Juli18

Wie genau möchte der KFC Uerdingen dieses Ziel verwirklichen? Wird es eine eSports Akademie geben, ähnlich wie es Hertha BSC Berlin eSports oder andere Vereine bereits anbieten? Oder wie können wir uns euer Vorhaben vorstellen?

„Es ist ein wenig früh über die Gründung einer Akademie zu sprechen. Dazu muss man auch ehrlicherweise eingestehen, dass die genannten Vereine im eSports Bereich deutlich mehr Erfahrung besitzen als wir. eSports existiert beim KFC erst seit wenigen Monaten und wir beginnen erst jetzt mit Release von FIFA19 die Strukturen aufzubauen. Somit benötigen wir definitiv noch etwas Zeit bis wir ein rundes und funktionierendes System aufgebaut haben.“

Aber Ideen habt ihr schon?

„Natürlich! Und aus diesen machen wir auch keine Geheimnisse. Wie bereits erwähnt, möchten wir als Nummer eins im Krefelder Fußball auch im eSport vorangehen. Ziel ist es, die FIFA Community & eSport begeisterte Kinder, Jugendliche und Erwachsene anzusprechen und zu vereinen. Dies möchten wir nicht nur durch regelmäßige Treffen oder eSport Turniere erreichen, sondern auch durch einige „Beat the pro“, Trainings- und Kinderveranstaltungen mit unseren Spielern. Außerdem wird es einen über die Saison verteilten online to offline Liga Wettbewerb geben. Näheres hierzu folgt in den nächsten Wochen.“

Das klingt alles gut und viel versprechend. An den Events kann dann jeder FIFA Spieler teilnehmen, oder gibt es hier Ausgrenzungen? Und apropo Spieler… Hieß es in den Medien nicht, dass der KFC eigentlich mit 4 eSportlern in die neue Saison gehen wollte?

„Ja, grundsätzlich ist jeder FAIRE FIFA Spieler willkommen und kann an allen Events teilnehmen. Als ich vor wenigen Wochen zum Team gestoßen bin, bestand unsere Mannschaft noch aus drei Spielern. Im Juli wurde sogar ein viertes Teammitglied über ein lokales Turnier in Krefeld gecastet. Vor wenigen Wochen teilte uns unser Spieler Vincent Mäder dann mit, dass er sich umorientieren möchte und den KFC verlässt. Somit schrumpfte unser Kader auf zwei Spieler. Nach reiflicher Überlegung kamen wir jedoch zum Entschluss, keinen Ersatz und weiteren Spieler mit ins Boot zu holen. Die Gründe hierfür sind simpel zu erklären. Wir wollten uns keine Gedanken um einen neuen Spieler machen, der menschlich und spielerisch zu uns passt, bevor wir nicht funktionierende und gut organisierte Strukturen aufgebaut haben. Somit haben wir den Ausbau des eSport Teams erst einmal aufgeschoben. Wann wir einen neuen Spieler dazu holen, kann ich aktuell nicht sagen.“

Wird es beim KFC zukünftig auch andere Games wie CS:GO oder LoL im eSport Bereich geben?

„Nein. Als Fußballverein konzentrieren wir uns aktuell nur auf Fußballsimulationen. Natürlich müssen wir uns die Frage stellen, ob wir „Pro Evolution Soccer“, welches meiner Meinung nach auch ein hervorragendes Spiel ist, nicht auch mit ins Angebot holen. Für die anstehende Saison ist allerdings nichts Weiteres geplant.“

Halil Özbulat (links) und KFC Torwart Rene Vollath (rechts) im Media Markt Krefeld

Dann mal Karten auf den Tisch. Wer von beiden ist der bessere Spieler? Artan oder Tim?

„(Lacht) Ich habe den Eindruck, dass Artan mit dem neuen FIFA schneller warm wurde und zurechtkommt als Tim. Das belegen auch Ergebnisse von ihm gegen bekannte eSport Profis von anderen Vereinen aus Deutschland. Tim konnte zwar auch schon gute Ergebnisse erzielen, ist aber aufgrund seiner Erfahrung noch vieles am Ausprobieren. Ich bin sicher, dass beide für die entscheidenden Tage bestens vorbereitet sein werden. Zudem verlaufen die Trainingsduelle der beiden äußerst qualitativ und eng. Ich möchte mich hier nicht wirklich festlegen.“

Eine letze Frage: Habt ihr schon Gelegenheit gehabt gegen einige Spieler des KFC Kaders zu spielen? Wenn ja, wer konnte überzeugen?

„Als am vergangenen Freitag die „FIFA19 KFC Edition“ im Media Markt Krefeld zum Verkauf freigegeben wurde, waren einige Spieler vor Ort, um den Fans Exemplare zu signieren. Dort hatte ich die Gelegenheit gegen unseren Torwart Rene Vollath ein Match zu spielen. Ich muss sagen, dass Rene mit seinem Fußballwissen für einige unangenehme Situationen in meinem Sechzehner sorgte. Auch andere Jungs aus dem KFC Kader spielen FIFA. Und ich erfuhr, dass einige von ihnen gute Spieler sind. Unser neuer Transfer Dennis Daube konnte sich sogar gegen Tim durchsetzen. Ein Online Match zwischen mir und unserem Flügelflitzen Johannes „Jojo“ Dörfler ist bereits in Planung.“

Und zum Abschluss… wie und wo können dich Fans und FIFA Spieler für Fragen und Anregungen kontaktieren?

„Am besten per mail. Unter hashtaghalil@gmail.com versuche ich wirklich jede Frage zu beantworten. Auch über unsere Social Media Netzwerke sind wir gut erreichbar.“

Vielen Dank für dieses informative Interview. Wir wünschen dir und dem KFC eine erfolgreiche Zukunft.

„Sehr gerne. Vielen Dank.“

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